W. Theurich: 160 Jahre Waggonbau in Görlitz bei WUMAG, DWA & Co.

Buchtitel: 160 Jahre Waggonbau in Görlitz - EK-Verlag Freiburg
Buchtitel: 160 Jahre Waggonbau in Görlitz - EK-Verlag Freiburg
Seit 1849 wird in Görlitz Eisenbahn-Waggonbau betrieben. Wolfgang Theurich beschreibt in seinem Buch die Geschichte der Waggonfabrik und ihrer Produkte.

Am 19. Oktober 1849 begann in der Stadt Görlitz der Waggonbau. An diesem Tag vergab die Versammlung der Stadtverordneten einen Auftrag über den Bau von zwei vierachsigen Holztransportwagen an Johann Christoph Lüders, Sattler, Tapezierer und Wagenbauer, und Conrad Schiedt, Schlossermeister.

Die Eisenbahn- Wagenbau- Anstalt in Görlitz

Sehr schnell erkannte Johann Christoph Lüders den Trend der Zeit. Er machte aus seinem Betrieb die Eisenbahn- Wagenbau- Anstalt in Görlitz. Schon bald zählten Eisenbahn- Unternehmen im In- und Ausland zu seinen Kunden. 1853 erfolgte der Übergang von der handwerklichen zur industriellen Fahrzeugfertigung.

Die Aktien- Gesellschaft für Fabrikation von Eisenbahnmaterial zu Görlitz / Waggonbau Görlitz AG

1869 zog sich Johann Christoph Lüders aus dem Geschäft zurück und verkaufte sein Unternehmen. Aus der Eisenbahn- Wagenbau- Anstalt wurde die Aktien- Gesellschaft für Fabrikation von Eisenbahnmaterial zu Görlitz, die später in „Waggonbau Görlitz AG“ umbenannt wurde. Etwa 10.000 Aktien zu je 200 Talern waren gezeichnet worden.

1882 wurde ein lange gehegter Wunsch endlich Wirklichkeit: Die Waggonfabrik erhielt ihren Gleisanschluss. Bis dahin waren die Waggons auf Pferdefuhrwerken zum Bahnhof gebracht worden. Ab 1888 dehnte sich das Betriebsgelände schrittweise erheblich aus. Zwischen 1913 und 1916 wurde das Werk dann gründlich umgebaut, um rationellere Betriebsabläufe zu schaffen. Die in dieser Zeit errichteten Gebäude bestimmten für lange Zeit das Aussehen des Werksgeländes.

Die WUMAG

Durch Fusion mit weiteren Unternehmen entstand 1921 die Waggon- und Machinenbau- Aktiengesellschaft Görlitz, kurz WUMAG. Weitere Unternehmen kamen 1923 hinzu. In den folgenden Jahren wurden die hinzu gekommen Unternehmensteile jedoch nach und nach wieder verkauft, sodass in der WUMAG nur die beiden in Görlitz ansässigen Waggon- und Maschinenbau- Werke erhalten blieben.

Der VEB Waggonbau Görlitz

Am 24. Februar 1947 wurde aus der ehemaligen Abteilung Waggonbau der WUMAG der VEB Waggonbau Görlitz. Zunächst ging es daran, die Schäden durch Krieg und Demontage im Betrieb zu beseitigen. Bald jedoch wurden auch wieder schadhafte Waggons instand gesetzt. Ab 1948 verließen auch wieder Neubauten das Werk, zunächst für die sowjetische Eisenbahn.

Ab 1949 wurde die Waggonbau Görlitz in die Planwirtschaft einbezogen. Das führte dazu, dass dort ab 1950 auch „Engpasserzeugnisse“, zum Beispiel Möbel, produziert wurden. 1958 wurde das VEG Waggonbau Görlitz der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Schienenfahrzeuge unterstellt. Daraus wurde 1979 das VEB Kombinat Schienenfahrzeugbau.

Die DWA, die Waggonbau Görlitz GmbH und Bombardier

Aus dem Kombinat wurde 1990 die Deutsche Waggonbau Aktiengesellschaft (DWA), zu der auch Waggonbau Görlitz, nun als GmbH geführt, gehörte. Diese GmbH ging 1995 in der nun privatisierten DWA auf und hieß ab da DWA Deutsche Waggonbau AG Werk Görlitz. 1998 kaufte das kanadische Unternehmen Bombardier die DWA. Die Produktion innovativer Waggons in Görlitz ist so auch in Zukunft (hoffentlich) gesichert.

Das Buch von Wolfgang Theurich

Auf 360 Seiten im DIN A4- Format nimmt Wolfgang Theurich seine Leser mit auf eine Reise durch 160 Jahre bewegte Geschichte des Waggonbaus in Görlitz. Von vielen Aufs und Abs, Erfolgen und Rückschlägen und mancher Anekdote, ja Kuriosität weiß der Autor zu berichten. Dabei spielt, neben aller sachlichen Information, ab und zu auch menschliches mit in seine Beschreibungen. Der Schwerpunkt des Buches liegt jedoch eindeutig auf der Entstehung und dem Ausbau der Produktionsstätten sowie der Beschreibung der in 160 Jahren in Görlitz entwickelten und produzierten Eisenbahn- Fahrzeuge.

Zahlreiche Fotos

Schon beim ersten Durchblättern fällt die Stärke des Buches auf: eine ungeheure Vielzahl von Fotos, die deutlich mehr als die Hälfte des Buch- Umfanges ausmachen. So erhält der Leser einen wunderbaren Überblick über die Veränderungen, denen das Betriebsgelände und denen die Betriebs- und Fertigungsabläufe – und damit auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter – im Laufe der Zeit unterworfen waren.

Noch umfangreicher jedoch ist die Dokumentation der in Görlitz gebauten Eisenbahn- Fahrzeuge. Sämtliche in Görlitz gebauten Waggons sind in einer umfangreichen Tabelle aufgeführt. Viele Waggons sind abgebildet, und zwar oft nicht nur von außen – Fotos von Inneneinrichtungen geben einen wunderbaren Eindruck vom Reisen im Laufe der Zeit.

Fehlen dürfen natürlich auch nicht die vielen in Görlitz gemachten technischen Entwicklungen – allen voran die Drehgestelle der Bauart Görlitz, auf denen Reisezugwagen auf den Strecken der Welt unterwegs waren – und die berühmten Doppelstock- Garnituren der Lübeck- Büchener Eisenbahn, die diese Privatbahn weltberühmt machten.

Insgesamt ist das Buche eine Empfehlung für jeden Eisenbahn- und Modellbahnfan, denn während es der Lokomotiv- Bücher viele gibt, ist der Markt mit Dokumentationen über Waggons und ihre Hersteller deutlich schlechter bestückt. Dieses Buch füllte ein Stück dieser Lücke.

Wolfgang Theurich: 160 Jahre Waggonbau in Görlitz 1849-2009. 360 S., 573 Abbildungen, EK Verlag Freiburg 2009, ISBN 3-88255-564-5, 39,90 Euro in Deutschland.

Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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